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Bohol: Die Insel der Kobolde

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bohol_webheaderRoland Hanewald (Text + Fotos)

Die Insel Bohol liegt im Mittelteil des philippinischen Archipels und erfreut sich wegen ebendieser Lage eines ausgeglichenen Klimas und wohl nicht zuletzt deshalb eines zumeist gutgelaunten Menschenschlags. Berühmt ist das Eiland vor allem wegen seiner »Schokoladenhügel«, einer großen Zahl von Anhäufungen im Inselinneren, die man als Tourist angeblich unbedingt gesehen haben muss, die in Wahrheit aber sterbensfad sind.

Besucher Bohols kommen aus den Metropolen Manila oder Cebu im Inselhauptort Tagbilaran an und freuen sich der langsameren Gangart und der netten Menschen. Gern würden sie jetzt als erstes die schönen Strände und hübschen Küstendörfer der Insel aufsuchen, doch das muss warten. Dass ein Gast anlanden kann, ohne den Wunsch zu äußern, sofort die Schokoladenhügel sehen zu wollen, will den Boholanern nicht in den Kopf. Man reist doch, bitte schön, auch in die Schweiz, um dort die Berge zu sehen, nicht wahr?

Nun ist der Vergleich zwischen den Schweizer Alpen und Bohols Schokoladenhügeln kein besonders glücklicher, denn letztere erheben sich ganze hundert Meter über der sie umgebenden Ebene. Immerhin gibt es aber unendlich viele von ihnen; man sieht sich einem riesigen Acker mit zahllosen Maulwurfsanhäufungen gegenüber. Das macht die Perspektive so berühmt und (mäßig) faszinierend, vor allem wenn sich die Hügel gegen Ende der Trockenzeit auch tatsächlich schokoladenbraun färben.

 



 

Zwischen Legenden und Wissenschaftlern

Natürlich bietet die boholanische Folklore die eine oder andere Legende zur Entstehung der wundersamen Hügel an, und man kann sich die schönste aussuchen. Arogo, ein junger Riese - so eine Version -, hatte sich unsterblich in die bürgerliche Aloya verliebt. Die erwies sich indes nicht als unsterblich. Nach ihrem Tod vergoss Arogo bittere Tränen, aus denen dann die Hügel entstanden.
Riesen müssen für eine weitere Version herhalten, derzufolge zwei von ihnen sich tagelang mit Dreck bewarfen, bis sie die Sache leid waren, Freundschaft schlossen und die Insel verließen. Der Dreck - in Hügelform - blieb liegen, ein schönes Beispiel frühphilippinischer Mentalität.

Die Wissenschaft weiß es natürlich besser. Der größte Teil von Bohol dürfte im frühen Pleistozän ein flaches Unterwasserriff gewesen sein, spekulieren die Gelehrten angesichts der heutigen Inselgeologie. Meeresbewegungen und spätere Umwälzprozesse formten dann die Schokoladenhügel. Andere Fachleute widersprechen dieser Theorie energisch, weil sie eine eigene, vermeintlich bessere haben. So ganz ist der Gelehrtenstreit um die seltsamen Hügel jedenfalls nicht entschieden, und man kann sich deshalb bis auf weiteres genausogut der Arogo-Theorie anschließen.

Der Kobold mit den Glupschaugen

Da ist das Wappentier der Insel, der Koboldmaki, schon weitaus interessanter. Der kleine (nicht einmal hamstergroße) Teddybär dürfte wohl das niedlichste Viecherl der Welt sein, sofern man es nicht gerade dabei beobachtet, wie es eine Eidechse in sich hineinschlingt, denn selbige gehört zu seinen Lieblingsspeisen. Auch Insekten verschmäht der Kobold nicht - mit der riesigen Stab- oder Gespenstheuschrecke, die auch mitunter auf Bohol vorkommt, hätte er aber wohl seine liebe Not.

Die carnivorische Art der Ernährung hatte Wissenschaftler lange davon abgehalten, Koboldmakis zu den Primaten zu zählen. Diese sind ohnehin notorisch schwierig zu klassifizieren, denn ihre Ordnung setzt sich aus einer großen Zahl fossiler Formen und deren höchst diversifizierten lebenden Abkommen - rund 200 Arten - zusammen, die in letzter Konsequenz gemeinsam haben, dass sie Baumbewohner sind. Der Mensch, der auch dazugehört, hat sich bekanntlich von den Bäumen getrennt, und er macht den Koboldmakis und ihren Konsorten das Leben schwer, indem er sie ihres Lebensraums durch Abholzung und Brandrodung beraubt. Bohol ist davon nicht ausgenommen, weshalb man die possierlichen Tierchen eher in Sanktuarien oder sogar gezähmt in Haushalten sieht - auch wohl die einzige Gelegenheit, sie überhaupt zu sehen. Denn die lieben Kleinen sind Meister im Verstecken, und sogar die riesigen Glubschaugen verschwinden dann - Koboldmakis können den Kopf um 180 Grad drehen!

Ökotourismus unter Wasser

Ähnlich witzige Kreaturen gibt es im Unterwasserbereich um die Insel. Bohol nennt sich das Tauchmekka der Welt. Große Teile seiner Gewässer sind in der Tat naturgeschützt und geben einmal einen Eindruck davon, wie es in tropischen Meeren ausgesehen hat, bevor menschlicher Raubbau, von dem die Philippinen alles andere als verschont geblieben sind, vor einigen Generationen Einzug hielt. Heute hat man erkannt, dass mit Ökotourismus, namentlich unter Wasser, viel mehr Geld zu machen ist als mit kurzsichtiger Ausbeutung, und die Riffe der vorgelagerten Eilande Panglao, Balicasag und Pamilacan explodieren deshalb gleichsam vor maritimem Leben. Dennoch geben die tiefen Passagen im ferneren Umfeld der Insel immer noch genug pelagischen Fisch her, um an den Stränden der Taucherinseln als leckere Grillgerichte zu dienen.

Und wenn themengerecht schon mal von Kobolden die Rede ist: Die Insulaner selbst stehen landesweit im Ruf, wegen ihrer Gutgläubigkeit und Vertrauensseligkeit so eine Art Waldschrate und Schildbürger zu sein. Gar nicht wahr. In Wirklichkeit haben sie's, wie sie bereits den spanischen Kolonialherren zu deren großem Ungemach demonstrierten, faustdick hinter den Ohren.

 

Last Updated ( Sunday, 28 February 2010 15:12 )  

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