Das Singapore Art Museum (SAM) präsentiert noch bis Januar beziehungsweise März zwei Ausstellungen moderner philippinischer Kunst. »Thrice Upon A Time« blickt mit einem zeitgenössischen Auge auf Tradition und Geschichte, »In the Eye of Modernity« reflektiert den Aufbruch der Philippinen zu einer modernen Nation.Im Rahmen der »Philippines Fiesta«, veranstaltet von der philippinischen Botschaft und dem National Heritage Board, werden die Philippinen noch bis April mit ihren unterschiedlichen Kunstrichtungen und Genres in Singapur vorgestellt. Das Spektrum reicht von Briefmarken über Musik und Lesungen zu wissenschaftlichen Themen, Kultur und Geschichte der Philippinen bis hin zu Ausstellungen im Singapore Art Museum.
Thrice Upon a Time
»Thrice Upon a Time« (noch bis 31. Januar) klingt wie der Beginn eines Märchens. Doch es ist ein Märchen, das nicht nur einmal erzählt wird, sondern mindestens dreimal.
Die Idee, Geschichten zu erzählen, zu sammeln und zu verbreiten, wie es die 180 unterschiedlichen Volksgruppen vor der Kolonialisierung einst taten, haben moderne Künstler als Konzept dieser Ausstellung aufgegriffen. Mit einem zeitgenössischen Blick haben sie in 70 unterschiedlichen Werken dieser Tradition Tribut gezollt und würdigen ihr Heimatland. Der Künstler als Geschichtenerzähler entführt die Besucher mit unterschiedlichsten Mitteln und Medien auf eine Reise in die Vergangenheit. Er erzählt seine Ansichten über Authentizität, Identität und Wandel eines Volkes.
So zum Beispiel die Installation »MA-I« (so hießen die Philippinen vor der Kolonialisierung) von Christina Poblador. Sie hat Parfüms kreiert, die in ebenfalls von ihr gefertigten, filigranen Glasflakons, die Gerüche ihres Heimatlandes reflektieren. Flüsse, Landschaften, Regenwetter, aber auch abstrakte Begriffe wie Revolution, Regierung und Traum hat sie destilliert. So werden über den Geruch Erinnerungen transportiert und konserviert - bis sich alles verflüchtigt hat.
Doch Vorsicht: Jedes Kunstwerk hat eine Geschichte zu erzählen. Aber ist es immer die Wahrheit? Können wir dem Werk trauen? Denn eine gute Geschichte wird immer weiter erzählt und immer weiter entwickelt - einmal, zweimal, dreimal ...
In the Eye of Modernity
Parallel dazu werden im SAM Werke der philippinischen, neo-realistischen Kunstbewegung ausgestellt. Dank der Zusammenarbeit mit der Philippinischen Botschaft ist es gelungen, 53 der bedeutendsten Kunstwerke der Ateneo Art Gallery in Singapur auszustellen.
Dem lokalen Publikum wird hierdurch das Lebensgefühl einer Epoche vermittelt, in der die Philippinen mit der Vergangenheit gebrochen und den Blick in die Zukunft gewagt haben. Begleitend erhält man Einblick in das politisch unruhige Leben auf den Philippinen - geprägt durch den Wandel von einer Agrargesellschaft zu einer quasi industriellen. Der Blick zur Moderne, sprich nach Europa, wurde nicht gescheut. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn Motive, Stil und Farbgestaltung oft an europäische Künstler der Nachkriegszeit erinnern.
Die Neo-Realisten reflektieren die Veränderung der Landschaft, der politischen Ideen und der Weltanschauungen. Sie verstehen sich mehr als eine lose Bruderschaft, nicht so sehr als eine fest, ideologisch geprägte Bewegung. Mitbegründer und späterer Mäzen dieser Bewegung war Fernando Zobel, Spross einer der reichsten, philippinischen Familien. Nach seiner Ausreise nach Spanien hatte er seine Kunstsammlung der Ateneo de Manila University gespendet. Hieraus entwickelte sich dann die Ateneo Art Gallery, die heute das führende nationale Museum für moderne Kunst der Philippinen ist.
Thrice Upon a Time
noch bis 31. Januar
In the Eye of Modernity: Philippine Neo-Realist Masterworks from the Ateneo Art Gallery
noch bis zum 14. März
Singapore Art Museum,
71 Bras Basah Road
täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr
freitags freier Eintritt von 18:00 bis 21:00 Uhr
Weitere Informationen unter www.philippinesfiesta.sg und www.singaporeartmuseum.sg.






