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Thaipusam: Das hinduistische »Piercingfest«

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Text: Regina Tissen  |  Fotos: Jörg Eschenfelder

thaipusam_webheaderDie drittgrößte Weltreligion, der Hinduismus, stellt eine für uns meist eher unüberschaubare religiöse Vielfalt dar, so dass wir schon bei den vielen Götternamen Probleme bekommen. Am 30. Januar steht das wohl größte hinduistische Fest vor der Tür, das in dieser Form nur noch in Singapur, Malaysia und Mauritius gefeiert wird: Thaipusam. Ein extremes und gleichzeitig beeindruckendes Beispiel für eine ergreifende Gottesverehrung. Aber, was hat es mit diesem indischen »Piercingfest« auf sich? Wieso stechen sich Männer und Frauen Wangen und Zungen auf und lassen sich Speere und Haken durch die Haut ziehen? Warum nehmen sie solche Last so viele Kilometer bei brennender Hitze auf sich?

 

Am 30. Januar wird die Nacht wieder zum Tag. Der Sri Srinivasa Perumal Tempel in der Serangoon Road wird zum Treffpunkt für die Teilnehmer an Thaipusam. Es folgt dort eine stundenlange Vorbereitung der Devotees, welche von kundigen Helfern für den Fußmarsch zum Sri Thendayuthapani Tempel in der Tank Road unterstützt werden. Ab Mitternacht ziehen sie durch die Stadt. Beinahe fünf Kilometer sind es bis zum Ziel. Das Fest dauert fast 24 Stunden. Am Abend kommen dann die Letzten an.

Vergangenes Jahr nahmen etwa 12.000 Männer und Frauen an der Prozession teil, die für sie schon Wochen vorher beginnt. Sie halten strenge Fastenvorschriften ein, entsagen sich jeglichen körperlichen Vergnügen, beten täglich stundenlang zu ihren Göttern und legen schließlich das Schweigegelübde ab. Bis zu dem Tag, an dem der Stern Pusam im Thai-Monat am höchsten steht und nach dem tamilischen Kalender Vollmond ist. Dann tragen sie, mal abgesehen von dem vielen Metall, welches ihnen auf den Rücken geschnallt wird, eine tiefe Dankbarkeit in ihrem Herzen, für die Erfüllung diverser Anliegen. Sei es der Erfolg im Studium, bei der Arbeit oder die Genesung eines guten Freundes.

Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse

Nach hinduistischer Mythologie gibt es einen ständigen Kampf zwischen Gut und Böse. Dieser Kampf brachte die Gottheit Murugan hervor, der Sohn Shivas und Parvathis, welcher die gute Seite im Kampf gegen die böse unterstützen und diese mit seiner einzigartigen Kraft besiegen sollte.

Der Kriegsgott Murugan, so einer der vielen Namen dieser Figur, wird oft als Bube mit mehreren Köpfen und Armen dargestellt. Er repräsentiert Kraft und reitet in manchen Darstellungen auf einem Pfau mit einem Bogen in der Hand. Er symbolisiert außerdem die Vernichtung von Feinden und gleichzeitig steht er mit einem auf dem Rücken gespannten Pfeilbogen für geistiges Licht.

Die Thaipasum-Teilnehmer versuchen seine göttliche Gestalt zu imitieren, indem sie sich Holz- und Metallteile an den Körper schnallen, um damit anschließend den langen Weg immer wieder von Tänzen unterbrochen zu gehen. Diese Tänze stellen eine unvorstellbare körperliche Belastung dar.

Dröhnende Musik, klatschende Menschenmassen, Gesänge und Rufe begleiten die Devotees auf ihrem langen Marsch und versetzen sie in Trance. Ihre Gurus und Familienmitglieder begleiten sie auf dem Weg und unterstützen sie.

Von Speeren, Pfauen und Fahnen

Warum bohren sich die Devotees aber Speere durch Zunge und Wangen? Dies soll das vorher abgelegte Gelübde unterstreichen. Die Sprache ist in diesem Moment unwichtig. Die Devotees konzentrieren sich voll und ganz auf die Erfüllung ihres Versprechens.

Und die Speere und Holzbalken auf Schulter und Rücken? Als Murugan seinen Speer im Kampf gegen das Böse einsetzte, so die indische Mythologie, versuchte sich der Dämon schnell in einen Baum zu verwandeln. Murugan spaltete diesen in zwei Hälften, wobei die eine zu einem Pfau und die andere zu einer Fahne wurde. Der Pfau hat ihm anscheinend so gut gefallen, dass er ihn als Wappentier für seine späteren Kriegszüge verwendete. Daher schmücken sich die Devotees mit Pfauenfedern. Der Holzbalken soll an den Baum erinnern. Dieser wird mit Zitronen, Orangen und Kokosnüssen prachtvoll geschmückt.
Manche Teilnehmer balancieren auch Töpfe auf ihren Köpfen. Diese sind mit Milch gefüllt, da das Weiß Reinheit symbolisiert.

Nach fünf Kilometern und sieben Stunden Fußmarsch wird den Gläubigen im Sri Thandayuthapani Tempel endlich ihre Bürde abgenommen. Sie fühlen angeblich keinen Schmerz, denn in der ganzen Euphorie verspüren sie nur noch Freude und Erleichterung.

 


 

Thaipusam

30. Januar, ab 1:00 Uhr
Start: Sri Srinivasa Perumal Tempel, Serangoon Road
Ziel: Sri Thandayuthapani Tempel, Tank Road

Die German Association bietet dazu am 27. Januar um 19:30 Uhr einen Vortrag mit Claudia Klaver im Clubhaus und am 30. Januar ab 7:00 Uhr eine Führung (in englisch) mit Geraldene an.

Last Updated ( Friday, 29 January 2010 10:58 )  

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