Reisen heißt unterwegs sein, heißt neue Eindrücke, neue Erfahrungen sammeln. Reisen heißt Veränderungen: örtlich, zeitlich, aber auch persönlich. Es gibt viele Gründe zu reisen, beruflich wie privat. Für manche ist es nur Zweck, um von einem Ort zum anderen zu kommen, um den nächsten Geschäftspartner zu treffen, für andere, um einen Tapetenwechsel zu vollziehen, rauszukommen und sich zu entspannen. Für manche ist es Lebenszweck, Lebensaufgabe, Lebensinhalt. Zwei von ihnen waren kürzlich in Singapur: der Extremsportler und Abenteurer Mike Horn und die Weltenradlerin und Biker-Omi Brigitte Kleine. Zwei vollkommen unterschiedliche Menschen und zwei vollkommen unterschiedliche Arten zu reisen.
Mike Horn
Die Reise des Mike Horn fing mit einer Sinn- und Lebenskrise an. Im Alter von 26. »Ich hatte alles. Geld im Überfluss.« Aber auch eine unendliche Leere. Und so beschloss er von einen Tag auf den anderen, alles aufzugeben, zum Flughafen zu fahren und irgendwo hinzureisen. Das Flugziel war die Schweiz - und seitdem ist Mike nicht mehr zur Ruhe gekommen.
Er war Skilehrer, Motivationstrainer und wurde Extremsportler, überquerte alleine die Anden und schwamm alleine nur mit einem Schwimmbrett den 7.000 Kilometer langen Amazonas hinab. Er umrundete ohne Motorkraft den Äquator, ging zu Fuß den nördlichen Polarkreis ab und wanderte in der Polarnacht zum Nordpol. Immer auf dem Weg, oftmals ganz alleine, monate-, jahrelang.
Auf seiner Wanderung um den Polarkreis reifte auch die Idee zu seinem neuesten Projekt: eine Weltumsegelung mit einem von ihm gebauten Segel-Motor-Boot. Das Projekt »Pangaea« war geboren.
Seit Mai 2008 ist er mit einer internationalen Crew und mit Unterstützung seines Hauptsponsors Mercedes-Benz unterwegs, Jugendliche dieser Welt für die Schönheit des Planeten und deren Erhalt zu begeistern. Das Motto ist: »Erforschen - Lernen - Handeln«.
Die »Pangaea« (griechisch für »Allerde« und Name des letzten globalen Superkontinents) wird alle fünf Kontinente sowie den Nord- und den Südpol anfahren. Insgesamt werden ihn 144 Jugendliche in dieser Zeit an Bord begleiten und gemeinsam mit ihm an Umweltschutzprojekten arbeiten. Für das Südchinesische Meer hat er zum Beispiel auf dem Boot eine eigene Müllpressanlage installiert, um den Müll aus dem Meer zu fischen. »Das ist nur ein kleiner Beitrag. Aber vielleicht können wir dadurch einen Anstoß geben, dass alle Frachtschiffe in Zukunft Ähnliches machen«, hofft Mike Horn.
Brigitte Kleine
Für Brigitte Kleine begann die Weltreise mit einem blöden Spruch. Sie, die nie ein Fahrrad hatte, kaufte sich plötzlich eines und auf die spöttische Frage einer Nachbarin, was sie denn damit wolle, meinte sie: »Um die Welt fahren.« Als der Ruhestand kam, machte sie sich auf den Weg: Sie ließ sich ein Fahrrad maßschneidern, sammelte Sachspenden und auf einer Deutschland-Tour erste Erfahrungen und brach am 17. September 2006 nach Suriname auf.
10.540 Kilometer hat sie inzwischen in den Beinen. Sie sah Costa Rica, Panama, Kolumbien und die USA. Sie war unter anderem in Thailand, Kambodscha, Laos sowie in Südchina. Zuletzt radelte sie in Malaysia und Singapur - alles finanziert von ihrer Rente.
Nicht alles wird erradelt. Den Ehrgeiz hat sie nicht. Manchmal radelt sie von Ort zu Ort, manchmal lässt sie das Rad am Flughafen stehen und fliegt zu einem Ziel, das sie interessant findet. »Es kann, aber es muss nicht sein«, so Kleine, die die Welt und deren Menschen kennenlernen, nicht einen festgesteckten Reiseplan abradeln möchte.
Die 63-jährige war bei den Emberas und Kunas auf den Kunainseln Panamas, bei den Mayas in Guatemala und den Orang Aslis in Malaysia. »Es hat über eine Woche gedauert, bis ich den Kontakt hergestellt hatte.« Mit viel Geduld und der freundlichen Hilfe von Einheimischen. »Ich kann ja keine Fremdsprache, kein Englisch.« Trotzdem hat sie noch immer Kontakt gefunden.
Nur einmal wird sie ruhig, leise, traurig: bei der Frage nach ihrer Familie, den Töchtern und Enkeln. »Einerseits sind sie stolz auf die Omi, andererseits fehle ich an allen Ecken und Kanten. Für mich ist es ein großes Leid, nicht zu sehen, wie die Enkelkinder heranwachsen.« Dennoch möchte sie weiter radeln: »Das Reisen entdeckt zu haben, ist das Größte. Ich gebe dafür alles her. Alles! Ich habe nie geglaubt, dass es so viel Spaß macht. Es ist schon komisch. Als junge Frau habe ich die ständigen Veränderungen gehasst. Jetzt liebe ich sie, könnte ich ohne sie nicht mehr leben.«
Jörg Eschenfelder (Text + Fotos)
Weitere Informationen:
Mike Horn: www.mikehorn.com
Brigitte Kleine: www.grannies-bike-world-trip.de






