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Werner Wallert: »Horror im Tropenparadies«

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wallert_webheaderAm Ostersonntag 2000 wurde Werner Wallert zusammen mit seiner Frau Renate und seinem Sohn Marc auf der Insel Sipadan vor der Küste Nord-Borneos von Mitgliedern der Rebellengruppe Abu Sayyaf entführt und zusammen mit 18 weiteren Geiseln auf die philippinische Insel Jolo verschleppt. Seine Erlebnisse verarbeitet er schon während der Geiselnahme in einem Tagebuch, welches nun auch auf Englisch erhältlich ist. Werner Wallert stellte sein Buch in Singapur vor und sprach mit »Impulse«.

Wie kamen Sie darauf, ihre Erlebnisse in einem Buch zu verarbeiten?

Wir alle erkannten, dass unsere Situation eine herausragende Geschichte bedeutete. Fast jeder hat in dieser Zeit Tagebuch geschrieben. Es war etwas Schönes, eine Ablenkung vom Alltag, da man sonst den Tag über auch nicht viel machen konnte. Für mich war Tagebuch schreiben etwas Produktives und Konstruktives. Ich fühlte mich jeden Tag näher an der Freiheit.

Wie verlief die Geiselnahme?

Am Tag des Ostensonntags waren wir noch Tauchen. Abends standen wir am Strand und genossen den Sternenhimmel. Plötzlich stand einer mit der Flinte vor uns. Dann sahen wir auch schon, wie andere Leute abgeführt wurden. Wir wurden auf zwei Longboats verteilt und waren fast 20 Stunden auf dem Wasser. Insgesamt waren 21 Geiseln und 18 Entführer auf den Booten.

Wie war das Verhalten der Geiselnehmer Ihnen gegenüber?

Man ist den Geiselnehmern vollkommen ausgeliefert und abhängig von ihnen. So war meine Überlebensstrategie, Konflikte zu vermeiden und nicht noch zusätzlich Stress aufzubauen. Bei den Geiselnehmern herrschte ein Kommen und Gehen. Dies war für uns eine zusätzliche Belastung, da wir die Neuen schlecht einschätzen konnten.

Wie war Ihr Verhältnis zu den übrigen Geiseln?

Freundschaften entwickeln sich in so einer Stresssituation nicht. Eine der Geiseln hat mit seinem Verhalten unser Leben in Gefahr gebracht. Er wollte flüchten und wurde dabei erwischt. Solche Situationen sind zusätzlich sehr belastend.

Was war das Schlimmste für Sie?

Am Schlimmsten empfand ich die Hilflosigkeit gegenüber der Situation und der Gesundheit meiner Frau. Mir war es nicht möglich, ihr zu helfen. Auch die Freilassung war nicht einfach für uns alle. Als meine Frau gehen durfte, wollte sie uns nicht verlassen. Bei meiner Freilassung wollte ich mich gegen Marc eintauschen. Aber wer die Chance hat, muss gehen.

Konnten Sie nach der Geiselnahme wieder schnell in Ihren Alltag finden?

Ich habe gut in den Alltag zurückgefunden. Vier Tage nach meiner Freilassung bin ich wieder in meinen Beruf als Lehrer zurückgekehrt. Ein großer Störfaktor waren die Medien. Der Medienrummel war enorm, das hatten wir so zunächst nicht richtig eingeschätzt.

Auch während der Geiselnahme herrschte großes Medieninteresse an unserer Geiselnahme, welches natürlich auch von der Abu Sayyaf so gewollt war. Filmcrews mussten 400$ bezahlen, um Interviews führen und Aufnahmen machen zu können. Uns erschien es zuletzt wie eine Art Doku-Soap, nach dem Motto „Die Wallerts".
Am meisten störte mich jedoch an dem Medienrummel die Ahnungslosigkeit vieler Journalisten über den Ort der Entführung. Sipadan ist ein bekanntes Tauchparadies und für Touristen sehr attraktiv. Es gab zu der Zeit keine Warnung vom Auswärtigen Amt. Wieso hätten wir also nicht hinfahren sollen?

Sie haben also keine Angst, wieder in eine ähnliche Situation zu geraten?

Ich denke, ich werde eher zwei 6er im Lotto haben, als noch einmal entführt zu werden.

Annkatrin Zink (Text + Foto)


Werner Wallert: »Horror im Tropenparadies«; Goldmann, 2001; 186 Seiten.
»Hostage Terror: Abducted by the Abu Sayaff«; Marshall Cavendish Editions, 2009; 184 Seiten.

 

Last Updated ( Wednesday, 02 December 2009 09:53 )  

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