Impulse Singapur

Mai 2010

Liebe Leserinnen,
Liebe Leser,

bevor ich diese Zeilen geschrieben habe, hatte ich in der Ausgabe des vorigen Jahres geblättert und war ganz erstaunt. Damals warf ein Ereignis seine Schatten voraus: der 20. Jahrestag des 9. November 1989, des Tages, an dem in Berlin die Mauer fiel. Vor einem Jahr war von allen Seiten - auch in Singapur - zu hören, was denn zu dem Jahrestag alles geplant sei und gemacht wird.

Und heute, ein Jahr später? Das Jahr, in dem die Bundesrepublik Deutschland 20 Jahre Einheit feiern kann? Da scheint sich nichts zu tun. Zumindest ist nichts zu hören, auch nicht mehr über die Erinnerungen an die Zeit vor 20 Jahren, die ersten freien Wahlen in der DDR, die Diskussionen um die Einführung der D-Mark. Woran mag das liegen? Haben uns die Feierlichkeiten so aufgebraucht? Oder ist der Fall der Mauer eher mit (unvernünftigen) Hoffnungen verbunden, während der Tag der Deutschen Einheit für die enttäuschten Hoffnungen, den Kater nach dem Fest und die »Mühen der Ebene«, der Kärrnerarbeit steht? Feiern wir einfach lieber den Beginn eines Traumes, denn den Beginn seiner Verwirklichung?

Aber vielleicht ergibt sich ja doch noch ein rauschendes Fest zu »20 Jahre Deutsche Einheit« - auch hier in Singapur. In der Zwischenzeit ist genug anderes in der Löwenstadt geboten: das Audi Fashion Festival, das noch bis 3. Mai Singapur für fünf Tage zu einer Mode-Metropole macht. Keine zwei Wochen später trifft sich die Créme de la creme der Deutschen Wirtschaft hier zur Asien-Pazifik-Konferenz. Gleichzeitig startet das Singapore Arts Festival, das seine Besucher einen Monat lang auf neue Gedanken bringen und eingefahrene Sichtweisen aufbrechen will.

Ihr,
Jörg Eschenfelder

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